1 min read

_281_ Kaffeehaus-Lektüre

Das Kaffeehaus als plastisches Ballungszentrum in der Topographie des Lesens.
_281_ Kaffeehaus-Lektüre
Im Kaffehaus gibt's Nachrichten von der Stange dank Zeitungshalter (c) Vintagemaedchen.de

Hand, Auge, Text: Wie in diesem Dreieck Bedeutung hervorgebracht wird, ist ein unterbeleuchtetes Verhältnis. Dieser kulturwissenschaftliche Einsatz kartographiert die Wege, mit denen der Buchraum navigiert wird. So weitet sich das Feld der Leseforschung, die von der kognitiven Entzifferung einzelner Schriftzeichen ausgeht und rückt auch ins Sichtfeld, was wir mit Büchern aufgrund ihrer Handlichkeit so anstellen können: darin blättern, nachschlagen oder sie stapeln.

Im Wiener Kaffeehaus ergänzt man traditionellerweise die gänzlich flach ausgelieferte Zeitung. Entsprechende Halterungen, etwa aus Bambus, spannen die Nachrichten wieder zu buchartig blätterbaren Textkörpern auf. Sie verleihen dem dünnen Papier wieder ein Volumen, in das man seine Nase, wie in ein Buch stecken kann.


Heute ist die Sonne über Wien um 6:34 aufgegangen. Dies war der 281. Second Sunrise, eine persönliche Notiz zu Kaffee und Alltagskultur.

Dieser Newsletter erklärt im Espressoformat kostenlos, unabhängig und kritisch eine Nebensache zum Hauptanliegen. Längere Essays und vergangene Aussendungen finden sich auf der Website. Empfiehl unser Projekt und leite das Mail weiter, werde Förder-Mitglied und hilf den Standard zu heben, mit dem wir unsere Gegenwart wahrnehmen. Auch ein einmaliges Trinkgeld hilft meinen kulturhistoriographischen Service aufrecht zu erhalten.